
AUSSTELLUNG
IN DER STADTPFARRKIRCHE INNSBRUCK-ST. NIKOLAUS
VOM 23. MÄRZ BIS 19. MAI 2024
KURATIERT VON BISCHOF HERMANN GLETTLER
GALERIEN MAX HETZLER BERLIN PARIS LONDON
UND BERND KUGLER INNSBRUCK
ERÖFFNUNG AM 23. MÄRZ 2024, 17 Uhr
Grußwort André Butzers
Die Nacht wird hell wie der Tag,
wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.
In dieser gesegneten Nacht, Heiliger Vater,
nimm an das Abendopfer unseres Lobes,
nimm diese Kerze entgegen als unsere festliche Gabe!
Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet,
wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche
durch die Hand ihrer Diener.
Wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat,
so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes.
Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs,
das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.
Mit diesem Zitat aus dem Exsultet,
dem Osterlob der Osternacht, grüßt André Butzer zur Eröffnung seiner Farbtheorie in der Pfarrkirche St. Nikolaus Gotte.
Orgel Praeludium über b-a-c-h,
Franz Liszt (1811-1886) Organist Valentin Jordan
Grußwort Pfarrkurator Wolfgang Geister-Mähner
Butzers Farbtheorie –
Besinnung auf die ursprünglichen Primärfarben –
denen sämtliche Töne entspringen und
zu denen sich alles andere verhält.
lichthell himmlisches Blau,
lässt auf ihm liegende Ornamente zum Vorschein kommen
sattes Rot,
doch es verbrennt nicht, was es in sich trägt
im aufstrahlenden Gelb,
Dreiecke – geh hier nicht weiter?!
Im Blau, im Rot, im Gelb
sprechen sich je eigene Charaktere aus
Malerei lässt Abwesendes anwesend sein -
Malerei - Verkörperung von Dingen, die so nicht da sind.
Da sind wir beim vierten Bild –
im Inkarnat, in Fleischfarbe.
Farbe verkörpert Seele.
Vielleicht ist das meine Antwort, wenn ich – wie heute Mittag gefragt werde – warum hängen wir hier Butzers Bilder auf:
Farbe verkörpert Seele
Uns geht es hier um die Seele,
die lebendige Seele
wir hoffen, glauben, bezeugen: eine lebendige Seele –
das ist die Ehre Gott-Göttins.
Allen hier Versammelten ein herzliches Willkommen!
Wir danken dir, Bischof Hermann!
Du hast die Initialzündung gegeben,
du bist mit Butzers Bildern auf uns zugekommen,
um ihnen hier bei uns Herberge zu geben.
Das Zustandekommen war und ist auch eine Geburt.
Damit´s ein gemeinsames Kind wird, braucht´s Zeit und Einigkeit,
die haben wir im Austausch gefunden.
Jetzt sind wir alle gespannt, wie es wirkt, auf uns, auf unsere Leut, auf jede, die hier Platz, jeden, der hier Sinn sucht.
Gleichsam Hebammen dieses Projekt sind
die Galerien Max Hetzler, Berlin, Paris, London, und
Bernd Kugler, Innsbruck, der sich gemeinsam mit seiner Frau massgeblich eingesetzt hat, dass Butzers Farbtheorie hier einen passenden Ort findet.
Herzlichen Dank, Ihnen, lieber Herr Kugler und liebe Frau Kugler,
Sie ermöglichen uns mit Butzers Bildern auf aktuell-künstlerische Weise, Kirche zu sein, Körper der Verkörperung des Göttlichen.
Bis Pfingsten werden André Butzers Bilder bei uns hängen. Pfingsten, den Geburtstag der Kirche, wird André Butzer persönlich mit uns feiern und seine Eindrücke zu seinem Werk in unserem Gotteshaus mit uns teilen. Wir sind gespannt.
Farbtheorie – Leben so frei, so erlösungsbedürftig.
Eine meditative Hinführung von Bischof Hermann Glettler
zum 4-teiligen Gemäldezyklus von André Butzer in der Innsbrucker St. Nikolaus Kirche, Osterzeit 2024
Wir sehen 4 große Bildtafeln, schwebend im Kirchenraum, ein mehrteiliger Play Ground, gemalt von André Butzer im Jahr 2009. Das Licht und die Farben phantastischen Glasfenster des 19. Jhdts. vermengen sich im Raum mit den „Grundfarben des Lebens", die der deutsche Maler verwendet. Ein Ordnungsversuch inmitten bedrängender Vielfalt, eine sympathische Flucht ins Abstrakte – und zugleich eine "Verschmutzung" mit dem realen Leben? Oder umgekehrt? Nur gestisches, teilweise farbpatziges Kritzel-Kratzel in kindlicher Eindeutigkeit? Repräsentativ für die vielen Himmelshoffnungen und Alltagsverstrickungen? Versuchen wir einen Rundblick auf die „Farbtheorie" in Blau, Gelb und Rot. Vor der Orgelempore hängt ein kleines, unscheinbares Bild – Vertikale und Horizontale als Schlüssel für die Partitur im Raum.
Den Beginn macht das eigenartige Blau, das vermutlich im Studio übrig war. Mit Recht wird diese smarte Himmelsfarbe eingesetzt, für höhere Zwecke verbraucht. Es ist Grundfarbe von Schönheit, weil es Sinn macht, sich aufzurichten aus allen Bedrängnissen und Verwundungen – getröstet und beflügelt von den vielen An-Sichten, An-Deutungen und An-Leitungen. Heiliges und Banales im amüsanten Gerangel. Echte Mystik oft an der Kante zum esoterisch grotesken Geschwabbel. Doch Aufschauen zu Gott? Der Himmel ist mit Sicherheit wunderschön, ist Gnade, macht aber auch viel Arbeit. Zu viel Zeug liegt im Weg und die Zeit drängt. Sie ist erfüllt.
Die Theorie wird unterbrochen, geerdet mit dem einzigartigen Bild der Fleisch-Farbe: Inkarnat kommt von Inkarnation – die "Fleischwerdung des göttlichen Wortes", wie es im christlichen Glaubensbekenntnis heißt. Im Prolog des Johannesevangeliums findet sich der herausfordernde Begriff von der „Einfleischung des Logos". Butzer versteht seine Leinwände immer als Bühnen für das Menschliche, für das herrliche und fehlerhafte Menschliche. Seine Bilder sind meist gut frequentierte Austragungsorte des Komischen und Tragischen, Projektionsflächen und Raum für "Confessiones". Auch hier eine Arena des lebendig Anwesenden und Verwesenden. Dazwischen die unfassbaren Vermengungen unseres Lebens – erfreulich und erlösungsbedürftig zugleich.
Das Gelb ist die Farbe der Sehnsucht. Sind es Warnschilder oder Gottes-Dreiecke? Jedenfalls tummeln sich die ungenauen Transzendenzluken auf der sympathisch gelb eingefärbten Projektionsfläche der vielen Wünsche und Unzähmbarkeiten. Es könnten natürlich auch Zäune sein, Gottes Gebote und Anweisungen, zusammenhängend und lose addiert. Meist ja doch zu viele – sodass Jesus für die Frage dankbar war: „Welches ist das wichtigste Gebot?" Die Liebe in allem, gottvoll, inspirierend, stärkend. Maria war bereit dafür. Das Bild hängt in ihrer Seitenkapelle. Strahlendes Licht, das die Finsternis nicht erfassen konnte. Aber wir, wir können es aufnehmen. Zuversicht? Butzer versucht die Zweifel, die er setzt, wieder selbst zu entkräften.
Rot das Bild mit den vielen zaghaft schlängelnden Linien, bereitgestellt als kindliches Spielfeld. Oder ist es doch eine Kampfzone mit schwebenden Bodenmarkierungen und Versorgungslinien? Fürsorge für das Lebensnotwendige. Ja, selbsst im bedrohlichen Geflecht noch Eleganz – oder ist es ohnehin nur ein beliebiges Muster? Einige Farblinien freunden sich fast zärtlich miteinander an. Sagenhaft tänzerisch, bei Weitem nicht so bedrohlich wie es das Rot im Ernstfall könnte. Die Herzensenergie im organischen Fluss oder das fanatisch schäumende Blut? Wie gerne würden wir es hören: Krieg war gestern. Versöhnung jetzt! Sanftheit ist heilsam. Das Herz Jesu wird immer verwundet gezeigt - und österlicher Strahlung.
Herzlichen Dank an die Galerie Bernd Kugler, Innsbruck, für die großzügige Ermöglichung dieser Bildintervention von André Butzer hier in Innsbruck.
Orgel Fuge über b-a-c-h, Franz Liszt (1811-1886)
Agape
Christi Himmelfahrt
14. Mai 2026, 08:30 Uhr
Pfarrkirche St. Nikolaus
Pfingstsonntag
24. Mai 2026, 08:30 Uhr
Pfarrkirche St. Nikolaus
Die Pfarrkirche St. Nikolaus nimmt als bedeutendstes Denkmal neugotischer Kirchenarchitektur in Tirol eine dominante Stellung für das Stadtbild ein. Der Bau erfolgte 1881 nach Plänen von Friedrich von Schmidt im neugotischen Stil und wurde 1885 geweiht.
Bereits im Jahre 1313 stand an dieser Stelle eine Kapelle.
Das Patrozinium feiern wir am 6. Dezember.

Hier finden Sie alles, was in unserer Pfarrgemeinde auf den ersten Blick verborgen ist.