Wie (er)lebt ihr Familie? – Interview mit Lusch-Guggenberger?

In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. Weihnachten ist das Angebot Gottes, auch mit uns in Familie zu leben. „Familie leben und erleben" – dazu führte ich mit Barbara Lusch-Guggenberger und Michael Guggenberger ein sehr persönliches Interview. Sie leben mit ihrer achtköpfigen Familie in unserem Stadteil und engagieren sich hier seit Jahren. Wie erlebt ihr als Familie Weihnachten?

Barbara: Zu Weihnachten machen wir es für uns alle nett und gemütlich. Es gelingt nicht immer gleich gut. Wir versuchen schon seit Jahren den Weihnachtsabend ein wenig reduzierter zu gestalten...
Michael: ...aber das Christkind bringt immer wieder zu viel,...
Barbara: Das Eigentliche geht ein bisschen verloren.
Michael: Wir haben jedes Jahr den ähnlichen Ablauf: Wir singen gemeinsam, es gibt etwas Einfaches zum Essen, Würstl, und etwas zum Trinken – und dann das Mysterium am Christbaum.

Christen erinnern sich an die Geburt Jesu und feiern sie. Wie habt ihr die Geburt eurer Kinder in Erinnerung?

Barbara: Kinder zu bekommen, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Jedes Mal ist es etwas Neues.
Michael: Auch wo die Geburt stattfindet – Barbara hat die ersten zwei Kinder in der Klinik geboren, das dritte Kind hätte zuhause auf die Welt kommen sollen. Eine Hausgeburt war geplant, aber das ist wegen Komplikationen nicht gegangen. Bei unserem vierten Kind hat es geklappt, wieder ist es eine Tochter geworden. Sie ist am 25.12. geboren: Ein Weihnachtskind – in dem Zimmer zur Welt gekommen, wo auch der Christbaum stand. Das war etwas ganz Besonderes.
Michael: Sie hat ganz viel geschlafen. Wie ich sie getragen hatte, hat sie für einen Moment die Augen geöffnet – das war ein Augenblick! Auch für die älteren Geschwister war die Geburt ihrer Schwester eine runde Sache. Als dann aber Barbara wieder schwanger war, meinten die Großen: „Was, jetzt schon wieder, noch ein Kind, was machen wir denn jetzt?", und unser großer Sohn hatte die Sorge: „Ja hoffentlich ist es ein Bub!"
Barbara: Und es wurde ein Bub mit großen Bedürfnissen. Ab dem zweiten Tag hat er den ganzen Tag geweint. Am Anfang habe ich mir gedacht: „Ich bin Hebamme, das ist doch kein Problem, das schaffe ich locker!" Aber dann habe ich gemerkt, man muss es beim Namen nennen: Es ist ein Schrei-Baby! Das bringt dich schon sehr an deine Grenzen und darüber hinaus.
Michael: Die ersten Tage mit dem Neugeborenen sind etwas so Besonderes. Irgendwie fühlte ich mich getragen von der ganzen Euphorie. Es kommt später, dass es auch schwierig sein kann. Für mich wäre die Vorstellung schlimm, wenn ich bei den Geburten unserer Kinder nicht hätte dabei sein können. Meine Rolle war, diese Situation so zu managen, dass es für Mama und Kind passt.
Barbara: Man muss das Baby anschauen und anschauen und anschauen,
Michael: Und es gibt viel zu organisieren. Es gibt keine Zeit, um sich groß Gedanken zu machen. Es ist so viel Emotion im Raum und es ist auch gut so. Wie überhaupt, wenn es um Kinder geht, bei mir die Emotion im Vordergrund steht, nicht so sehr die Gedanken. Ich glaube, wenn man da zu kopflastig ist, würde die Sache schieflaufen – von Anfang an!

Wie ist es euch als Paar gegangen, als ihr die Kinder bekommen habt?

Michael: Die Zeit, wo man nur zu zweit ist, hat es bei uns nie gegeben, weil die zwei großen Kinder schon da waren, drei und sieben Jahre alt. Damit war vieles von Anfang an ganz anders. Mir war instinktiv klar, wenn ich das gut bewältigen will, dann muss ich von Anfang an gegenüber den beiden Kindern auch eine erzieherische Rolle übernehmen. Das haut nicht hin, wenn ich einfach so als guter Onkel daher spaziere, das wird nichts.
Barbara: Da hast du Großes geleistet, als du dich das getraut hast. Natürlich war das für die Beziehung schon eine Belastungsprobe.
Michael: Aber das kennt wohl jeder, der Kinder hat. Bei uns war es vielleicht noch ein bisschen massiver. Aber der Schritt von keinem Kind auf eines ist sicher der größte Umbruch, und dann wird es halt mehr. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo die Großen mithelfen. So haben wir doch auch die Vorteile, am Abend zwischendurch auch etwas unternehmen zu können, was wir ganz selten tun.
Barbara: Zwischendurch kurz hinausgehen, einen kleinen Spaziergang machen, das sind neugewonnene Freiheiten. Alles hat seine Zeit, schlaflose Nächte haben wir viele gehabt. Das muss man einfach hinnehmen, da ist man schon sehr erschöpft, aber das ist ok.

Ein Kind zu haben, heißt nicht automatisch eine Familie zu sein. Was heißt „Familie-sein" für euch?

Michael: Am Anfang bestimmen doch wesentlich wir, was abläuft. Aber je größer die Kinder werden, desto mehr bestimmen sie mit und definieren so auch Familie mit, was wir eben sind. Das kann natürlich sehr anstrengend sein, zum anderen bereichert das auch ungemein, dass da nicht nur wir zwei verantwortlich sind, sondern andere auch Verantwortung mittragen.
Barbara: Manchmal hinkt man nach, bis man checkt, dass die Kinder schon weiter sind, wie man selbst glaubt. Dann gibt's vielleicht Krach, man muss erkennen, das Kind kann eigentlich schon viel mehr.
Michael: Familie ist ein Gebilde, das mit ihren Mitgliedern mitwächst und sich täglich weiter entwickelt und verändert und ist nichts Statisches.
Barbara: Familie ist mehr, da gehört meine Mama dazu und die Tante, die Großfamilie, die Brüder,...
Michael:
Martin, er wohnt einen Stock tiefer und ist ein Freund von mir.

Von Anfang an habt ihr euch die Erwerbs- und die Familienarbeit aufgeteilt. Üblich ist das eher nicht!

Michael: Ja, das stimmt. Dass der Papa auch zuhause bleiben kann, das habe ich gleich in Anspruch genommen.
Barbara: Und ich hatte eine Stelle als Hebamme bekommen. Das hat sich so ergeben.
Michael: Vor zwölf Jahren war diese Art von Aufteilung noch sehr ungewöhnlich. Ich wollte es so und hatte auch keine fixe Stelle.
Barbara: Wir teilen uns die Arbeit zuhause und außerhalb. Vom Wirtschaftlichen war es notwendig, dass ich arbeite.
Michael: Das einzige, wo wir dann gemerkt haben, das haut nicht hin, war Barbaras Tätigkeit als freiberufliche Hebamme, also 24 Stunden auf Abruf. Das ging nicht.

Ist deine Rolle nicht kritisch gesehen worden?

Michael: Wenn ich mit Freunden zusammen bin, die keine Kinder haben, läuft das genauso ab wie früher. Sie interessieren sich nicht so für's Familienleben oder Kinder. Da sind andere Themen im Vordergrund. Das finde ich auch wieder fein. Wenn man nämlich mit anderen Papas oder Mamas zu tun hat, dann dreht sich ́s, wenn man kleine Kinder hat nur um dieses Thema. Das ist dann irgendwann einmal langweilig. Wenn ich ausgehe, ist es auch fein, Abstand zu gewinnen. Sich über etwas anderes auszutauschen: Politik, Fußball, philosophische Zukunftsgedanken, Musik...

Lebenssinn von der Vaterrolle her, Zufriedenheit mit Leben.

Michael: Mir gibt es eine Zufriedenheit, dass ich als Papa für die Kinder da bin. Ich bin selbst ohne Papa aufgewachsen. Das war für mich eine große Last, weil ich mir immer gedacht habe, das mit eigenen Kindern wird nichts. Da kannst du dich nicht hinübertrauen, die Verantwortung ist zu groß. Wenn das schief geht, dann wachsen die Kinder ohne Vater auf. Deswegen bin ich so froh, dass es ganz anders gelaufen ist, dass ich Vater bin und dass es ganz anders gekommen ist, als ich gedacht habe. Man wächst mit der Aufgabe und man muss es nur zulassen. Ich bin froh, dass meine Kinder in mir einen Papa haben, dass es ihnen nicht so geht wie mir. Das gibt mir sehr viel.

Welchen religiösen Gehalt hat für euch Weihnachten in der Familie?

Barbara: Zu Weihnachten sind wir in der St. Nikolauser Kirche. Es hat mit Hoffnung zu tun, mit Erinnerung, wie Jesus auf die Welt gekommen ist. Es ist ein Konzentrieren aufs Wesentliche, ein Besinnen darauf, nicht allein nach außen orientiert zu leben.
Michael: Es ist das Fest, wo wir am meisten Familie sind im ganzen Jahr, das ist definitiv so. Bei mir sind es mehr die Familien-Erinnerungen. Ich setze mich mit ihnen auseinander, reflektiere sie, was mich dann fast überfordert. Da ist noch so viel von früher da. Das kommt hoch. Da gibt es den einen oder anderen Moment, wo für die Kinder etwas passiert, was sie nicht so ganz verstehen, was zum Nachdenken anregt, man könnte auch sagen, das ist alles ganz banal, logisch. Wenn ich jetzt Atheist wäre, würde ich sagen: „Das gibt es alles nicht, lasst euch nichts einreden!" Aber ich bin kein Atheist, sondern Agnostiker, in einer tiefgläubigen katholischen Familie aufgewachsen, und meine Frau evangelische Christin, und es ist so wichtig, dass es auch Geheimnisse gibt in unserer Welt, in der scheinbar alles erklärbar ist, Mysterien, und etwas, was sich vom Alltag abhebt und aus dem man Kraft schöpfen kann. Das Interview führte Diakon Wolfgang

Kalender für Orgelschüler

Zum Orgelkalender


Pfarre St. Nikolaus

Sankt-Nikolaus-Gasse 35, 6020 Innsbruck
Telefon: +43 676 87307086
Bürozeiten
Di, Mi, Do 8:00 - 11:30 Uhr
oder nach tel. Vereinbarung


Volltextsuche

Hier finden Sie alles, was in unserer Pfarrgemeinde auf den ersten Blick verborgen ist.

Pfarre St. Nikolaus

powered by webEdition CMS