„Alle Jahre wieder ... – und es berührt mich immer neu!"

Krippenspiel an Heilig Abend
Interview mit Anna Nikolai, Livia Millonig, Sophie Kuen und Ingrid Öfner.

Ich treffe mich mit Anna Nikolai, Livia Millonig und Sophie Kuen – Schülerinnen der 4. Klasse VS Hötting - und ihrer Religionslehrerin Ingrid Öfner.

Sie alle sind beim Krippenspiel in Hötting engagiert.

Auch dieses Jahr feiert ihr in Hötting Heilig Abend mit einem Krippenspiel. Hast du schon eine Idee, Ingrid, zum heurigen Krippenspiel?

Ingrid: Nicht jedes Jahr gibt's bei uns Neues. Seit zwei Jahren spielen wir das Krippenspiel „Der Weihnachtsstern". Ein „Stern" tritt darin als Erzähler auf und schildert, wie es damals mit der Geburt Jesu war. Dieses Krippenspiel hat sich aus meiner Sicht bewährt. Wahrscheinlich führen wir es auch heuer wieder auf.

Anna, Livia und Sophie, ihr habt im vergangenen Jahr mitgespielt. Welche Rollen hattet ihr? Gibt´s Schafe auch?

Livia: Ich war ein Hirte.
Sophie: Ich auch!
Anna: Und ich war die Maria. Wir hatten auch Schafe - Stoffschafe. Die Magdalena hat Ihres mitgebracht.
Ingrid: 16 Kinder spielten vergangenes Jahr mit. Es variiert von Jahr zu Jahr. Maria und Josef sind natürlich zu besetzen, und je nach dem, wie viele Kinder mitmachen, können wir auch die Drei Könige auftreten lassen oder nicht.

Könnt ihr euch an eine Szene vom vergangenen Krippenspiel besonders erinnern?

Anna: O ja, ich erinnere mich daran, wie ich als Maria im Stall mit dem Jesuskind im Arm sitze. Das war für mich schon etwas Besonderes!

War das Jesuskind ein echtes Baby?

Anna: Nein, eine Puppe!

Hast du schon mal ein Baby im Arm gehalten?

Anna: Ja, meine Schwester!
Sophie: Aber die ist doch kein Baby mehr!
Anna: Aber sie war ein Baby!
Livia: Ich werde mich noch lange daran erinnern, wie ich als Hirtin vor allen Leuten zum ersten Mal in ein Mikrofon gesprochen habe.

Woher habt ihre eure Verkleidung fürs Krippenspiel bekommen?

Ingrid: Die Hirtengewänder leihen wir uns Jahr für Jahr über die Requisiten des Christkindlumzugs aus. Die Gewänder für Maria, Josef und die drei Könige bekommen wir vom Pfarrer. Die weißen Ministrantengewänder verwenden wir als Engelsgewänder, dazu gibt's noch Flügel, die ich gekauft hatte. Die Hirtenstäbe hatte alle Sophie mitgebracht. Ihr Opa ist Hirte.
Sophie: Ja, und mein Opa hat das Krippenspiel auch miterlebt!

Wie oft trefft ihr euch zur Probe?

Anna: Wir fangen Anfang Dezember an und treffen uns ein bis zweimal in der Woche. Insgesamt haben wir etwa zehn Treffen.
Ingrid: Nachmittags einen gemeinsamen Probentermin zu finden, ist schwer, deshalb versuchen wir die Proben auf den Schulvormittag zu legen. Die Kolleginnen kommen mir entgegen und stellen die betroffenen Kinder für die einstündige Probezeit frei. Das ist schon eine Herausforderung, weil die Kinder aus verschiedenen Klassen kommen, aber gemeinsam haben wir es bisher immer geschafft! Die ersten Proben finden in der Schule statt, dann üben wir im Tagesheim, am Schluss in der Kirche, damit wir auch das Mikrofonsprechen ausprobieren können.

Ein Krippenspiel verlangt viel von euch! Nicht allein den Text sprecht ihr auswendig und für alle verständlich, sondern ihr müsst dazu auch passend „schauspielen". Wie steht´s mit Kulissen?

Sophie: Vor dem Altar ist der Stall aufgebaut, und Wirtshäuser haben wir da auch. Ich hab´ gehört, es gibt sogar den Burenwirt!
Anna (Tochter des Burenwirts): Ja, genau! Und als „Maria" hab´ ich gesagt: „Komm, Josef, lass uns zum Burenwirt gehen, der wird uns sicher ein Quartier geben!"

Und wie ging´s aus?

Anna: Mmmh... - Mama und Papa sind in der Kirche gesessen und haben alles mit angehört ...

Die biblische Geschichte gibt vor, dass nicht einmal beim Burenwirt ordentlich Platz war, sondern nur im Stall. Gibt´s beim Burenwirt überhaupt einen Stall?

Anna: Nein, außer dem Hasenstall.

Wisst ihr, dass ihr euch viel Arbeit macht! Man könnte das Weihnachtsevangelium doch einfach vorlesen und fertig! Worin besteht der besondere Wert, dass ihr vorspielt, was in dieser Heiligen Nacht passiert?

Anna: Dass du´s wirklich vor dir siehst, was da los ist! Und für die Kinder, die mitspielen, ist es immer wieder toll!
Livia: Es macht einfach Spaß!
Sophie: Und für die kleinen Kinder ist´s auch fein! Sie wissen das alles nicht so genau und so können sie´s gleich anschauen, wie´s war.

Kleider machen Leute! Seid ihr denn mit euren Gewändern zufrieden?

Anna: Mir ist der Schleier fast über die Augen gerutscht!

Wie habt ihr die kleinen Kinder als Zuschauer erlebt?

Anna: Ich glaube, meine Schwester war stolz!

Es ist jetzt das vierte Jahr, Ingrid, dass du dich beim Krippenspiel engagierst.

Ingrid: Seit Kooperator Chrysanth im Oberland eine neue Pfarre übernommen hat, kümmere ich mich gemeinsam mit Ursula Martiner und Christine Renzler aus dem Familienmessen-Team um das Krippenspiel.
Ich war dazu bereit, weil´s doch schön ist. Als Kind hab´ ich auch mitgespielt. Das war in Wilten-West in der Pfarre Hl. Familie. Die Aufführung war dann nicht an Heilig Abend in der Kirche, sondern beim Seniorennachmittag. Das ist mir noch gut Erinnerung, es war einfach toll für mich, sodass ich es auch heute gerne mache, obwohl es neben dem Schulunterricht viel Arbeit für mich ist.

Wenn du vergleichst, Krippenspiel heute Krippenspiel damals, was hat sich verändert?

Ingrid: Es hängt ab, welche Art von Krippenspiel ausgesucht wird. Ich bevorzuge die Krippenspiele, die tatsächlich die biblische Erzählung im Mittelpunkt haben, also die Geburt von Gottes Sohn, die Herbergssuche von Maria und Josef, die Verehrung der Hirten und die Ankunft der Drei Könige. Diese Ereignisse spielerisch in Erinnerung zu rufen, berührt mich selbst immer wieder, und das möchte ich auch in der Kirche weitergeben – gerade weil heute eh´ für viele die biblischen Erzählungen fremd geworden sind. Es gibt viele moderne Krippenspiele, die schön anzuschauen sind, aber ich persönlich finde zu
ihnen nicht den gleichen Zugang.

Gibt es für dich Momente beim Krippenspiel, woran du dich noch heute erinnerst und sagst, ja, das ist für mich Weihnachten?

Ingrid: Für mich gehört zum Weihnachtfest das Krippenspiel! Ohne Krippenspiel fehlt mir etwas! Die Aufregung der Kinder vor Beginn, die Sorge, dass die Gewänder richtig sitzen, in der Kirche die Bänke bis zum letzten Platz gefüllt, alle warten gespannt. Und endlich nach der Messe ist´s so weit: das Krippenspiel beginnt – und wenn dann die Kinder ganz in ihrer Rolle sind, ist das für mich Weihnachten! Das berührt mich sehr und ist für mich wirklich schön und ein tiefe Freude! Der Erfolg natürlich auch, wenn sie´s so gut machen.

Merkt ihr, wie wichtig auch für eure Religionslehrerin euer Spiel an Weihnachten ist?

Livia: Ja, stimmt!

Habt ihr schon überlegt, welche Rolle ihr heuer übernehmen wollt?

Anna: Ich hab´ da noch gar nicht darüber nachgedacht!

Nach meiner Erfahrung gibt´s bei der Rollenvergabe zeitweise richtig Stress - zum Beispiel bei der Frage, wer die Maria spielen darf ...

Anna: Eine Viertklässlerin wollte auch erst die Maria spielen, dann aber hat sie den Josef übernommen.

Wie lange dauert eigentlich eure Aufführung?

Ingrid: Sie dauert eine knappe halbe Stunde!

Die größte Textanteil liegt beim „Weihnachtsstern", der steht am Ambo und kann ablesen, das ist doch ein Vorteil ... Wird in Mundart gesprochen?

Livia: Wir sprechen normal so wie jetzt.

Musik öffnet das Herz für die Botschaft der Heiligen Nacht ...

Ingrid: ... dafür haben wir Familie Rainer! Sie spielen praktisch bei jeder Kindermette mit Querflöte und Geige und sie begleiten auch die Weihnachtslieder während unseres Krippenspiels – eines am Anfang und Ende und auch eines dazwischen. Zum Beispiel: „Ihr Kinderlein kommet" beim Einzug und beim Hinausgehen „Still, still, still, weil´s Kindlein schlafen will".
Livia: Beim Auszug geht jeder mit einer Kerze.

An Weihnachten darf sich jede und jeder etwas wünschen. Habt ihr einen besonderen Wunsch fürs heurige Krippenspiel?

Livia: Ich hab´ keinen besonderen Wunsch!
Anna: Ich wünsch´ mir, dass ich mit meiner Rolle zufrieden bin und alle anderen auch und dass es gut klappt.
Sophie: Bei mir ist´s wie bei Anna.
Ingrid: Mein Wunsch sind genügend Kinder, die bereit sind, mitzuspielen, und dass die Proben gut klappen, unser Team gut kooperiert und die Dekoration passt. Alles geht nur zusammen, nicht allein! Letztes Jahr haben wir zum Beispiel die Rückmeldung bekommen, dass man die Kinder gut hören und verstehen konnte. In der Kirche war es auch ganz still – da spürst du im Herzen: Christus, der Retter ist da!

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