
Wie oft hallt in den Gerichten und in den Zeitungen dieser Schrei wieder: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!" Auch in Bezug auf meine eigene Person habe ich solche Rufe vernommen: Ich bin zusammen mit meinem Vater zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Mein Kreuzweg begann, als ich noch ein Kind war: Wenn ich darüber nachdenke, sehe ich mich zusammengekauert in dem Kleinbus, der mich zur Schule brachte, wegen meines Stotterns zu einem Außenseiter gemacht, ohne jegliche Beziehung. Schon als Kind begann ich zu arbeiten, ein Studium blieb mir verwehrt: Meine Naivität wurde von meiner Unwissenheit noch übertroffen. Das Mobbing raubte dem in den siebziger Jahren in Kalabrien geborenen Kind die lichten Augenblicke seiner Kindheit. Ich gleiche mehr dem Barabbas als Christus, doch die schärfste Verurteilung bleibt die meines Gewissens: Nachts öffne ich meine Augen und suche verzweifelt nach einem Licht, das mein Leben erhellt.
Als ich, in der Zelle eingesperrt, erneut die Leidensgeschichte Christi lese, kommen mir die Tränen. Nach neunundzwanzig Jahren Gefängnis habe ich noch nicht die Fähigkeit verloren, zu weinen, mich für meine Vergangenheit und für das Böse, das ich getan habe, zu schämen. Ich fühle mich wie Barabbas, Petrus und Judas in einer Person. Die Vergangenheit ist etwas, wovor ich Abscheu empfinde, auch wenn ich weiß, dass sie zu meinem Leben dazugehört. Jahrelang war ich den strengen Haftbedingungen nach Artikel 41 bis des Strafvollzugsgesetzes unterworfen, und mein Vater verstarb unter diesen Bedingungen. Viele Male hörte ich ihn nachts in seiner Zelle weinen. Er tat das im Verborgenen, aber ich konnte es sehen. Wir befanden uns beide in tiefer Dunkelheit. In diesem Nicht-Leben suchte ich jedoch immer nach Leben. Es klingt seltsam, aber das Gefängnis war meine Rettung. Wenn ich für manche immer noch Barabbas bin, so macht mich das nicht wütend. Ich spüre in meinem Herzen, dass Jesus, der unschuldig war, aber doch wie ich verurteilt wurde, zu mir ins Gefängnis gekommen ist, um mich auf den Weg des Lebens zu führen.
Herr Jesus, trotz der Schreie, die uns ablenken, sehen wir dich in der Menge derer, die lauthals deine Kreuzigung fordern; und vielleicht gehören auch wir dazu, ohne uns des Bösen bewusst zu sein, zu dem auch wir vielleicht fähig sind. Von unseren Zellen aus wollen wir zu deinem Vater für diejenigen beten, die wie du zum Tode verurteilt sind, ebenso aber auch für diejenigen, die immer noch deinen Platz auf dem höchsten Richterstuhl einnehmen wollen.
Lasset uns beten.
Gott, du Freund des Lebens, du schenkst uns durch die Versöhnung immer wieder neu die Gelegenheit, deine unendliche Barmherzigkeit zu kosten. Wir bitten dich um die Gabe der Weisheit, die uns befähigt, in jedem Mann und in jeder Frau einen Tempel deines Geistes zu sehen und sie in ihrer unantastbaren Würde zu achten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Aschermittwoch
18. Feb 2026, 19:00 Uhr
Pfarrkirche St. Nikolaus
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Palmsonntag
29. Mär 2026, 08:15 Uhr
Schlosshof Büchsenhausen
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Die Pfarrkirche St. Nikolaus nimmt als bedeutendstes Denkmal neugotischer Kirchenarchitektur in Tirol eine dominante Stellung für das Stadtbild ein. Der Bau erfolgte 1881 nach Plänen von Friedrich von Schmidt im neugotischen Stil und wurde 1885 geweiht.
Bereits im Jahre 1313 stand an dieser Stelle eine Kapelle.
Das Patrozinium feiern wir am 6. Dezember.

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