XI. Station: Jesus wird an das Kreuz genageltChristus wird an das Kreuz genagelt. Wie oft habe ich als Priester diesen Abschnitt des Evangeliums betrachtet. Dann, eines Tages, wurde ich ans Kreuz genagelt und ich fühlte das ganze Gewicht dieses Holzes. Die Anklage bestand aus Worten, die hart waren wie Nägel, der Weg wurde steil, der Schmerz schnitt sich in meine Haut. Der dunkelste Moment war der, als ich meinen Namen vor dem Gerichtssaal angeschlagen sah. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich trotz meiner Unschuld gezwungen war, meine Unschuld zu beweisen. Zehn Jahre lang war ich an dieses Kreuz genagelt. Es war mein Kreuzweg voller Aktenordner, Verdächtigungen, Anschuldigungen und Beleidigungen. Jedes Mal suchte ich vor Gericht nach dem Kruzifix an der Wand. Dort schaute ich hin, während das Gesetz meinen Fall untersuchte.
Aufgrund der Schande kam ich für einen Moment auch auf den Gedanken, dass es besser wäre, meinem Leben ein Ende zu setzen. Doch dann beschloss ich, der Priester zu bleiben, der ich immer gewesen war. Ich habe nie daran gedacht, den Kreuzweg abzukürzen, auch dann nicht, als das Gesetz mir die Möglichkeit dazu bot. Ich entschied mich dafür, mich einem ordentlichen Urteil zu unterwerfen. Das schuldete ich mir selbst, aber auch den Jugendlichen, die ich die Jahre im Seminar erzogen hatte, und ihren Familien. Als ich meinen Kalvarienberg hinaufging, sah ich sie alle entlang des Weges. Sie wurden für mich zu einer Art Simon von Zyrene, sie trugen die Last des Kreuzes mit mir und trockneten viele meiner Tränen. Viele von ihnen haben mit mir zusammen für den jungen Mann gebetet, der mich beschuldigt hat. Wir werden niemals damit aufhören. An dem Tag, an dem ich meine vollständige Freisprechung erlangte, entdeckte ich, dass ich glücklicher war als vor zehn Jahren. Ich hatte Gottes Wirken in meinem Leben hautnah erlebt. Am Kreuz begann mein Priestertum zu leuchten.

Herr Jesus, deine Liebe zu uns bis zur Vollendung hat dich ans Kreuz gebracht. Selbst in deinem Sterben wirst du nicht müde, uns zu vergeben und uns das Leben zu schenken. Wir vertrauen deinem Vater all die Unschuldigen der Geschichte an, die ungerecht verurteilt wurden. Lass in ihren Herzen dein Wort widerhallen: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«
Lasset uns beten.
Gott, du Quelle der Barmherzigkeit und der Vergebung, du offenbarst dich in den Leiden der Menschheit. Erleuchte uns mit der Gnade, die aus den Wunden deines gekreuzigten Sohnes hervortritt, und lass uns gläubig ausharren in der dunklen Nacht der Prüfung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

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