XIV. Station: Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegtIn meinem Beruf als Justizvollzugsbeamter komme ich jeden Tag direkt mit dem Leid derer in Berührung, die im Gefängnis leben. Es ist nicht leicht, denen zu begegnen, die vom Bösen überwältigt wurden und anderen Menschen enormes Leid zugefügt und ihnen so das Leben schwergemacht haben. Doch im Gefängnis verursacht Gleichgültigkeit weiteren Schaden in der Geschichte derer, die versagt haben und die ihre gerechte Strafe verbüßen müssen. Ein Kollege, der mich eingeführt hat, sagte des Öfteren: „Das Gefängnis verändert einen. Ein guter Mensch kann ein Sadist werden. Ein böser Mensch kann sich bessern." Wie es ausgeht, hängt auch von mir ab, und man muss auch die Zähne zusammenbeißen, um das Ziel unserer Arbeit zu erreichen, nämlich denen eine weitere Chance zu geben, die das Böse begünstigt haben. Um dies zu versuchen, kann ich mich nicht darauf beschränken, einfach nur eine Zelle zu öffnen und zu schließen, ohne dies mit einer Prise Menschlichkeit zu tun.
Wenn man die Zeiten aller respektiert, können selbst in diesem belastenden Ambiente menschliche Beziehungen langsam wieder aufblühen. Das geschieht durch Gesten, Aufmerksamkeiten und Worte, die den Unterschied ausmachen, auch wenn sie mit leiser Stimme gesprochen werden. Ich schäme mich nicht, den Dienst als ständiger Diakon auszuüben und dabei die Uniform zu tragen, auf die ich stolz bin. Ich kenne Leid und Verzweiflung, ich habe sie als Kind selbst erlebt. Mein bescheidener Wunsch ist es, eine Bezugsperson für die zu sein, die mir hinter den Gittern begegnen. Ich versuche mein Bestes, um die Hoffnung der Menschen aufrechtzuerhalten, die sich mit sich selbst abgefunden haben und vor dem Gedanken erschrecken, dass sie eines Tages herauskommen und Gefahr laufen, wieder von der Gesellschaft abgelehnt zu werden.
Im Gefängnis erinnere ich sie daran, dass bei Gott die Sünde niemals das letzte Wort haben wird.

Herr Jesus, noch einmal bist du den Händen von Menschen ausgeliefert, aber diesmal sind es die liebevollen Hände des Josef von Arimathäa und einiger frommen Frauen aus Galiläa, die wissen, dass dein Leib kostbar ist. Diese Hände stehen für die Hände all jener, die nicht müde werden, dir zu dienen, und die Liebe sichtbar machen, zu der der Mensch fähig ist. Gerade diese Liebe lässt uns auf die Möglichkeit einer besseren Welt hoffen: Es genügt, dass der Mensch bereit ist, sich von der Gnade erreichen zu lassen, die von dir kommt. Im Gebet vertrauen wir deinem Vater in besonderer Weise alle Justizvollzugsbeamten an und alle, die in verschiedenen Funktionen in den Gefängnissen arbeiten.
Lasset uns beten.
Gott, du ewiges Licht, du Tag, an dem die Sonne nicht untergeht, schenke allen, die dir die Ehre geben und sich dem Dienst an den Leidenden an den unzähligen Orten des Leidens der Menschheit widmen, die Fülle deiner Gaben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

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