II. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine SchulternIn jenem schrecklichen Sommer endete unser Leben als Eltern zusammen mit dem unserer beiden Töchter. Eine wurde mit ihrer besten Freundin durch die blinde Gewalt eines kaltblütigen Menschen getötet; die andere, die wie durch ein Wunder überlebte, wurde für immer ihres Lächelns beraubt. Unser Leben war ein aufopferungsvolles, auf Arbeit und Familie gegründetes Leben. Wir haben unseren Kindern beigebracht, andere Menschen zu achten und wir haben ihnen gezeigt, wie wichtig es ist, den Ärmsten beizustehen. Wir fragen uns oft: „Warum ist gerade über uns dieses Unheil hereingebrochen?" Wir finden keinen Frieden. Nicht einmal die Gerechtigkeit, an die wir immer geglaubt hatten, konnte die tiefsten Schmerzen lindern. Immer werden wir zum Leiden verurteilt bleiben.
Die Zeit hat das Gewicht des Kreuzes auf unseren Schultern nicht leichter gemacht. Wir schaffen es nicht, die zu vergessen, die heute nicht mehr unter uns sind. Wir sind ältere Menschen, wir werden immer hilfloser, und wir leiden unter dem schlimmsten Schmerz, den es geben kann, nämlich das eigene Kind zu Grabe tragen zu müssen.
Es ist schwer zu sagen, aber in dem Moment, in dem die Verzweiflung die Oberhand zu gewinnen scheint, kommt uns der Herr auf unterschiedliche Weise entgegen und schenkt uns die Gnade, dass wir uns als Ehepaar lieben und einander beistehen dürfen, auch wenn es manchmal schwierig ist. Er lädt uns ein, die Tür unseres Hauses für die Schwachen und Verzweifelten offen zu halten und diejenigen zu empfangen, die an unsere Tür klopfen und um einen Teller Suppe bitten. Die Nächstenliebe zu unserem Gebot gemacht zu haben ist für uns eine Form der Erlösung: Wir wollen uns nicht dem Bösen hingeben. Die Liebe Gottes ist imstande, das Leben zu erneuern, denn sein Sohn Jesus hat bereits vor uns den menschlichen Schmerz erfahren, so dass er wirklich mit uns Mitleid empfinden kann.

Herr Jesus, es schmerzt uns sehr, dich zusammengeschlagen, verspottet und entblößt zu sehen, ein unschuldiges Opfer unmenschlicher Grausamkeit. In dieser Nacht des Schmerzes wenden wir uns flehentlich an deinen Vater, um ihm all jene anzuvertrauen, die Gewalt und Ungerechtigkeit erlitten haben.
Lasset uns beten.
Gott, du unsere Gerechtigkeit und Erlösung, du hast deinen einzigen Sohn für uns hingegeben und ihn auf dem Thron des Kreuzes verherrlicht. Erfülle unsere Herzen mit deiner Hoffnung, damit wir deine Gegenwart in den dunklen Momenten unseres Lebens erkennen können. Tröste uns in jeder Not und sei uns Halt in unseren Prüfungen, in der Erwartung deines Reiches. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Kalender für Orgelschüler

Zum Orgelkalender


Pfarre St. Nikolaus

Sankt-Nikolaus-Gasse 35, 6020 Innsbruck
Telefon: +43 676 87307086
Bürozeiten
Di, Mi, Do 8:00 - 11:30 Uhr
oder nach tel. Vereinbarung


Volltextsuche

Hier finden Sie alles, was in unserer Pfarrgemeinde auf den ersten Blick verborgen ist.

Pfarre St. Nikolaus

powered by webEdition CMS