IX. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem KreuzEs ist nie angenehm hinzufallen. Wenn man aber immer wieder fällt, dann ist das nicht nur unschön, sondern man scheint gleichsam dazu verurteilt, sich nicht auf den Beinen halten zu können. Als Mensch bin ich sehr oft gefallen – aber ebenso viele Male bin ich wieder aufgestanden. Im Gefängnis denke ich häufig daran, wie oft wohl ein Kind zu Boden fällt, bis es laufen lernt. Ich bin immer mehr überzeugt davon, dass das die Generalproben sind für die Abstürze, die man als Erwachsener erfährt. Als Kind erlebte ich mein zu Hause als ein Gefängnis. Ich lebte in ständiger Angst vor Bestrafung und empfand abwechselnd die Traurigkeit der Erwachsenen und die Unbekümmertheit der Kinder. Wenn ich an diese Jahre zurückdenke, erinnere ich mich an Schwester Gabriella, die allein Freude in mein Leben brachte. Sie war die Einzige, die selbst in meiner schlimmsten Zeit das Gute in mir sah. Wie Petrus suchte und fand ich tausend Entschuldigungen für meine Fehler. Das Seltsame ist, dass das Gute in mir nie ganz verlosch.
Im Gefängnis wurde ich Großvater. Ich verpasste die Schwangerschaft meiner Tochter. Eines Tages werde ich meiner Enkelin nicht von dem Bösen erzählen, das ich begangen habe, sondern nur von dem Guten, das mir widerfahren ist. Ich werde ihr sagen, wer mir Gottes Barmherzigkeit gezeigt hat, als ich am Boden lag. Im Gefängnis besteht die wahre Verzweiflung in dem Gefühl, dass nichts in deinem Leben mehr Sinn hat. Dies ist der Höhepunkt des Leidens, du fühlst dich als der einsamste aller einsamen Menschen auf der Welt. Es stimmt, dass ich innerlich zerbrochen bin; aber das Schöne ist, dass all diese Bruchstücke wieder zusammengesetzt werden können. Das ist nicht einfach, es ist jedoch das Einzige, was hier drinnen noch von Bedeutung ist.

Herr Jesus Christus, zum dritten Mal fällst du zu Boden, und als alle denken, das Ende sei gekommen, stehst du wieder auf. Vertrauensvoll legen wir unser Leben in die Hände deines Vaters und vertrauen ihm alle an, die sich in den Tiefen ihrer eigenen Fehler gefangen fühlen, damit sie die Kraft haben aufzustehen und auch den Mut, sich helfen zu lassen.
Lasset uns beten.
Gott, du Festung derer, die auf dich hoffen, du schenkst denen, die deiner Weisung folgen, ein Leben in Frieden. Gib unseren ängstlichen Schritten Halt, hilf uns nach den Stürzen unserer Untreue wieder auf und versorge unsere Wunden mit dem Öl des Trostes und dem Wein der Hoffnung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

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