Interview mit Helene Schmoltner, Direktorin der Volksschule St. Nikolaus

Mit Ende des Schuljahres geht Helene Schmoltner in Pension. Folgendes Interview konnte Diakon Wolfgang mit ihr führen:

Meine erste Frage: Kannst du dich erinnern, wie es beim ersten Mal war, als du dieses Schulhaus betreten hast? Welche Eindrücke sind davon noch da?

Vor 32 Jahren habe ich dieses Schulhaus recht überraschend betreten, weil eine Kollegin aus dieser Schule damals in den Innsbrucker Karmel eingetreten ist. Ich war eigentlich schon einer ganz anderen Schule zugeteilt, dann hat's geheißen: Volksschule St. Nikolaus. So bin ich hierher gekommen. Das Tolle war für mich, dass ich schon zur Taufe meiner Tochter St. Nikolaus auserkoren hatte. So hat sich für mich ein Kreis geschlossen, ohne dass ich mir selbst die Schule ausgesucht hatte. Was mir hier in St. Nikolaus besonders zusagt, ist der Zusammenhalt unter den Leuten, überschaubares Gebiet, kleine Schule – sehr angenehm!

Du hast die Klassenführung übernommen, wie viele Kinder waren damals im Schnitt in der Klasse?

Nicht so viel mehr als heute. Im Schnitt 20, 21 Kinder. Wir waren noch mehrklassig, mal sechs Klassen, dann fünf Klassen, dann kam eine Sprengelbereinigung: Die halbe Riedgasse ist nach Hötting, der Rennweg ist weg gekommen. Seitdem sind wir vierklassig und stabil. Das tut unserer Schule sehr gut, weil nicht ständig ein Lehrer geht und ein neuer kommt.

Du warst hier zunächst als Lehrerin tätig und bist dann Schulleiterin geworden. Wann war das der Fall? Ging für dich ein Wunsch in Erfüllung?

Das Lehrerin-Sein hat mir total Spaß gemacht. Von den damaligen Lehrerinnen zeigte keine Interesse, die Schulleitung zu übernehmen. Man hat erst überhaupt nicht gewusst, ob jemand kommen würde. Ich dachte dann, dass  es eine Herausforderung wäre, eine Schule so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle. Mit dem Gedanken habe ich mich immer mehr angefreundet. Ursprünglich war es nicht mein Ziel, Schulleiterin zu werden, sicher nicht.

Das Schulhaus von St. Nikolaus hat eine lange Geschichte. Mit welchen Herausforderungen war es verbunden, dieses Haus als Schule so zu gestalten, dass es für die Kinder wie für die Lehrer – überhaupt für unseren Stadtteil – eine Schule ist, von der man sagt: Wir können dankbar sein, so ein Angebot zu haben.

Es ist ein altes Schulhaus. Als ich es das erste Mal betrat, wirkte es auf mich sehr dunkel und nicht sehr einladend. Immer war es mein Ziel, dass diese Schule anders hergerichtet wird, viel kindgemäßer. Unter Bedachtnahme, dass es ein altes Haus ist, sollte sehr vorsichtig und behutsam renoviert werden. Durch die Stabilisierung auf vier Klassen konnten wir neu über die Nutzung der Räume nachdenken. Sehr misslich war, dass das Parterre anders genutzt wurde. Die Schule hat erst im ersten Stock begonnen. Im Parterre war die Mütterberatung, eine Kindergruppe, ein Lager des Jugendrotkreuzes, dann der Kindergarten, als deren Gebäude renoviert wurde, und das gleiche beim Hort. Wenn du unten hereingekommen bist, hast du nicht wahrgenommen, dass das ein Schulhaus ist. Das war für mich sehr misslich! Wie ich im Jahre 2000 die Schulleitung übernommen hatte, habe ich mich zuerst bemüht, diese Räume wieder für die Schule zu nützen. Die Garderobe habe ich unten einrichten lassen. Wo früher die Garderobe war, ist jetzt das Konferenzzimmer. So habe ich seit 2000 jedes Jahr irgendetwas Größeres umgebaut – mit dem Plan, das Schulhaus wieder zu dem zu machen, was es sein soll: eine einladende Schule. Hier ein großer Dank an die Stadt, dass sie alles mitgetragen hat.

In den letzten Jahrzehnten kamen immer mehr Medien zum Einsatz. Wo siehst du das Plus, wo siehst du Nachteile?

Es ist ein Spannungsfeld zwischen dem, in welcher Zeit wir leben, und den Anforderungen an die Kinder und ihre Ausbildung. Es ist zu schauen, dass nicht alles nur in Technik und Medieneinsatz endet. Zur Entwicklung und zum Wachstum eines Kindes gehört viel mehr als Computerkenntnisse und die Vorstellung, sich alles auf Tastendruck besorgen zu können. Kreativität ist gefragt, zum Beispiel Fächer wie Musik und Zeichnen. Auch diese Fächer sind zum gesunden Reifen und Wachsen eines Kindes zu einer Persönlichkeit maßgeblich. Soziales Lernen ist unser Schulschwerpunkt und für uns im Haus sehr wichtig.

Wenn du dich daran erinnerst, wie du die Kinder in den 80iger Jahren erlebt hast und wie sie heute in ihrem Unterrichtsverhalten sind, kannst du Entwicklungen feststellen?

Ich glaube, dass die Kinder heute viel mehr Außenreize haben, reizüberflutet sind. Sie sind einerseits gewohnt, dass immer etwas passiert, dass „action" ist, rasante Wechsel stattfinden. Andererseits kommen sie nicht zur Ruhe, sie können viele Dinge gar nicht mehr genießen. Es fällt ihnen schwer, nur eines zu tun wie nur Zuhören, nur Lesen, nur Malen. Es ist so, dass sie kaum zur Ruhe kommen. Sie können daher vieles nicht mehr so genießen. Manche haben einen Terminkalender wie ein Manager, Vormittage und Nachmittage sind mehr oder weniger durchgeplant. Das ist für die Kinder nicht einfach. Es ist eine große Herausforderung. Für die Kinder selbst, aber auch für uns. Kinder wie Lehrer brauchen eine gewisse Lernruhe und Stille. Das ist zunehmend schwierig.

Wenn wir von den Kindern her denken, worauf käme es an, dass die St. Nikolauser Schule eine gute Zukunft hat.

Ich glaube, dass die St. Nikolauser Schule eine gute Zukunft hat, denn schon zweihundert Jahre, bevor die Schulpflicht unter Kaiserin Maria-Theresia eingeführt worden war, war in diesem Stadtteil schon eine Stadtschule. Das heißt, in diesem Stadtteil war Bildung immer wichtig. Wir haben stabile Schülerzahlen, und ich habe den Eindruck, dass sich Kinder, Lehrerinnen einfach wohlfühlen in diesem Haus.

Eine Schule gibt dem Stadtteil ein Gesicht, die Volksschule gibt St. Nikolaus ein sehr junges. Die Lehrerinnen sind die, die Kinder in einer wichtigen Etappe ihrer Entwicklung begleiten, du als Schulleiterin trägst dabei maß geblich Verantwortung und stellst Wei chen. – Was wirst du vom Schulalltag vermissen, wenn du jetzt in Pension gehst? Worauf freust du dich?

Vermissen werde ich auf alle Fälle, was ich schon seit meiner Schulleitertätigkeit vermisse: einfach Lehrerin sein! Vermissen werde ich die Kinder! Was das Leiten einer Schule betrifft, ist jeder ersetzbar, das ist nicht das Problem. Emotional hängt mein Herz an den Kindern. Alles andere sind Lebens abschnitte, die Schule wird weitergehen, so wie eben alles im Leben weitergeht. Ich freue mich auf mehr Zeit mit meiner Familie. Mein Mann ist schon seit vier Jahren in Pension. Ohne konkrete Pläne zu haben, werde ich es jetzt einfach genießen, dass für uns ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Herzlichen Dank, Helene, für dieses sehr interessante Interview. Im Namen unserer Pfarre und auch im Namen Pfarrer Hermanns darf ich dir für dein großes Engagement für die Kinder und ihre Schule in St. Nikolaus herzlich danken - besonders auch dafür, dass du in all den Jahren den traditionellen Nikolaus-Einzug hochgehalten hast! - Viel Glück und viel Segen im neuen Lebensabschnitt!

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