„Mit unserer Stimme laut sein für Gott!"

Interview mit Jane Mayrhofer (Pfarre Hötting / Mariahilf), aus Brasilien, Isabel Arnold (Pfarre Hungerburg) aus Chile, Mariam Wandaogo (Pfarre St. Nikolaus) aus Burkina Faso, Liberatus Isife (Canisianum, Pfarre St. Nikolaus) aus Nigeria

An Pfingsten feiert die Kirche Geburtstag.
Ihr habt Kirche in euren Herkunftsländern erlebt, jetzt erlebt Kirche in unseren Pfarren.

Was gefällt euch in unseren Pfarren Hötting - Hungerburg - St. Nikolaus?

Mariam (St. Nikolaus): Mir gefällt die familiäre Atmosphäre, du wirst wie in eine Familie aufgenommen - als Kind, Schwester und Bruder. Auch meiner Freundin Ursula geht es hier so. Uns wird Interesse gezeigt, Wohlwollen und herzliche Aufmerksamkeit.
Jane (Hötting und Mariahilf): Mir gefällt die Gemeinschaft, die ich in Hötting zum Bei-spiel auch beim Tauschmarkt erlebe. Ganz eindrücklich ist für mich das Miteinander bei der Gräbersegnung auf dem Alten Höttinger Friedhof. Im Kreis so vieler Menschen stehe auch ich mit meiner Familie und Verwandten am Grab der Schwiegereltern.
Isabel (Hungerburg): Für uns ist die Pfarre wie zu einer Familie geworden, und viele aus der Pfarre sind heute unsere Freunde. Wir gehen aufeinander zu und zur Kirche. Beziehungen sind gewachsen. Ich war so fremd, da war das für mich nicht selbstverständlich. Angefangen hat es mit der Taufe unseres Jüngsten durch P. Josef. Immer trifft man sich bei besonderen Anlässen nach der Kirche, man unterhält sich, tauscht sich aus. Es war und ist eine wunderschöne Zeit. Mittlerweile sind unsere Kinder groß und ich schon seit 15 Jahren Mitarbeiterin in unserer Pfarrbücherei in einem Team von elf sehr aktiven, ehrenamtlich engagierten Frauen. Viermal im Jahr gibt es besondere Angebote: Zwei für Kinder –zum Beispiel Kasperltheater oder Malaktionen – und zwei kulturelle Veranstaltungen für Erwachsene.
Pater Liberatus (St. Nikolaus): Mir gefällt die Bereitschaft, dass Menschen aus der Pfarre ihre Fähigkeiten einbringen dürfen. So wird und bleibt der Gottesdienst lebendig.

Was vermisst ihr vom Pfarrleben eures Herkunftslandes?

Jane: Zuhause singen alle gerne, wir haben ́s gerne laut! Da gibt's Gitarre und Schlagzeug, alle machen mit, sie klatschen und sind sehr präsent. Du brauchst kein Gesangsbuch, die Texte werden über eine Leinwand übertragen. Diese Woche trifft man sich sogar jeden Tag morgens um sechs Uhr noch vor der Arbeit und betet, bis die „Mauern fallen" - wie damals die Israeliten vor den Mauern Jerichos. Die Kirche ist ganz voll. Den Anstoß dazu gab vor drei Jahren Papst Franziskus. Mein Bruder und seine Frau hatten daran teilgenommen, sie waren kinderlos und wünschten sich sehnlichst ein Kind. Jetzt haben sie ein Kind. Mein Bruder glaubt, Gott hat sie erhört. So ist es in Brasilien: Wenn die Leute Probleme haben, gehen sie in Kirche, dann löst sich für sie vieles.
Mariam: Wo ich herkomme, sind in der Messe Menschen aller Altersstufen versammelt, junge und alte Menschen, sie kommen und die Kirche ist ganz voll, sie stehen bis vor die Tür – obwohl wir drei Messen am Sonntag haben. Alle sind pumpvoll. Es wird getrommelt, es singen verschiedene Chöre. Orgel gibt es keine, aber ein Klavier und Fanfaren. An Festtagen wird getanzt – zum Beispiel bei der Gabenbereitung. Als junges Mädchen habe ich mitgemacht. Wir sind dabei traditionell gekleidet und geschminkt. Wir tragen in Körben Orangen, Bananen und allerlei Früchte auf dem Kopf und tanzen bis zum Altar und wieder zurück - mit schrillem Ruf und immer wieder mit Tanzschritten zum Lobe Gottes und für uns zur großen Freude. Das ist sehr laut, und wir freuen uns, dass wir auch für Gott laut sein können.
Isabel: Ich vermisse gar nichts vom Pfarrleben in Chile! - Dort erlebte ich ein Angebot für Kommunion und Firmung ähnlich wie hier. Meine Mutter hat uns viele Werte weitergegeben, sie war sehr katholisch. Chile lebt stark von vielen Einwanderern. Gerade seit dem ersten Weltkrieg. Österreicher sind dort, auch aus dem Zillertal, und auch viele Deutsche. Sie sind in den Süden Chiles nach Puerto Montt ausgewandert. Am Friedhof gibt es in Deutscher Sprache eine Gedenktafel an die Ahnen.
Liberatus: Eine lebendige Gemeinschaft ist ein Schatz. Die vermisse ich. Heimweh habe ich deswegen nicht, aber daheim ist daheim.

Gab es ein Erlebnis das geholfen hat, euch in unseren Pfarren willkommen zu fühlen?

Jane: Mit 28 Jahren bin ich hierher gekommen. Besonderen Eindruck hat auf mich Fronleichnam gemacht. Die gemeinsame Prozession, das miteinander Singen, das ist sehr schön. Auch bei uns gibt's an diesem Fest viel Blumenschmuck, und Essen und Trinken gehören auch dazu, Schützen sind für mich etwas Neues.
Mariam: Seit ich nach Innsbruck übersiedelte, habe ich im Widum Unterkunft. Ich werde eingeladen, in der Pfarre mitzumachen. Zu Weihnachten habe ich zum Beispiel einen der drei Könige gespielt. Ich war der Kaspar, und das hat mich sehr, sehr gefreut!

Gab es Situationen, die bei dir eher Unverständnis ausgelöst haben?

Mariam: Was mich am Anfang verwundert hat - entschuldige, dass ich es sage – es gehen fast nur alte Leute in die Kirche! Wo sind die jungen Menschen? Wo sind Eltern mit Kindern? Wenn ich sage, ich bin Christ und bin getauft, dann ist das wie ein Titel. An der Teilnehmerzahl im Gottesdienst merke ich das nicht. Das macht mich traurig.
Jane: So wie Mariam geht es auch mir.

Was wünscht du dir in unseren Pfarren?

Jane: Ich wünsche mir auch in Zukunft die Kirche als Ort, wo ich Gemeinschaft erfahre und in Not Hilfe. Ich wünsche mir einen Glauben, der mir Kraft gibt zum Leben.
Mariam: Einmal hatte ich jemanden angesprochen: „Du bist doch auch gläubig, komm ́ doch mit mir in die Kirche!" - Er sagte mir, er wäre wegen des Kirchenbeitrags aus der Kirche ausgetreten, der war ihm zu hoch. Ich entgegnete: „Du hast deine Hobbys, isst und trinkst, was dir schmeckt, du feierst deine Feste. Aber für Gott bleibt nichts?! Spreche mit den Verantwortlichen der Kirchenbeitragsstelle." - Ich ahnte schon, der eigentliche Grund war nicht der Kirchenbeitrag, sondern weil er nicht wollte. Du fragst, was ich mir für die Pfarre wünsche: Mehr junge Menschen in der Kirche, Eltern mit Kindern, die ihren Kleinen etwas weitergeben. Bei mir zuhause haben wir zum Beispiel am Samstag und Sonntag gemeinsame Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Meine Gruppe, „coeur vivant - an viviant"- „Lebendige Herzen - lebendige Seele", ist für alle zwischen 7 und 18 Jahre. Die Großen sind für die Kleinen da. Jährlich gibt's ein Thema, zum Beispiel ein Bibelwort wie „Wir sind das Licht der Welt". Wir treffen uns und lesen miteinander diese Stelle in der Bibel. Wir klären, wo uns dieses Bibelwort in unserem konkreten Leben begegnet. Dann teilen wir uns in Gruppen auf. Die Größeren gehen auch in die Gruppen der Kleineren. Am Ende sagt jede und jeder, was sie oder er heute mitnimmt, wenn wir „Licht der Welt" sind: Wie gehe ich dann mit meinen Mitmenschen um, meinen Mitschülern, meinen Eltern, meinen Geschwistern?

Hast du eine Idee, wie du dazu beitragen kannst?

Jane: Ich freue mich, dass unsere Tochter am Kinderchor der Pfarre Mariahilf teilnimmt. Wir gehen dann alle zusammen hin. Unser Sohn geht zu den Wiltener Sängerknaben. Da gehen wir auch hin. Als Tischmutter engagierte ich mich bei der Erstkommunion. Mein Mann hat auch mitgemacht, und wir treffen uns mit manchen Eltern immer noch, unternehmen gemeinsam etwas, und es gibt gute Diskussionen.
Mariam: Ich hab ́ den Eindruck, wir merken es alle, die Kirche geht hier langsam verloren. Wo sind die Kinder Gottes? – Wir alle sind Kinder Gottes! Deshalb müssen wir etwas tun. Die Jungen sollen sich nicht allein mit ihren alltäglichen Hobbies zufrieden geben, sondern auch an Gott denken. Es ist anstrengend, aber wir können auch dazu einladen, manche werden hellhörig sein. Es hängt auch daran, wie wir auf die Leute zugehen. Ich appelliere an alle Erwachsenen, alle Jungen, die Kinder will ich wecken und daran erinnern, dass er kommt, dass wir mit unserer Stimme zusammen laut sind für Gott. Das wünsche ich mir.
Isabel: Man könnte viel mehr machen und helfen. Weil ich Familie habe, trifft ́s sich oft, dass ich nicht so kann. Ich weiß nicht, was passieren wird, wenn die jetzt Aktiven nicht mehr mitmachen würden. Was kann man beitragen, dass die Kirche lebendig bleibt? - Vielen Veränderungen kommen, wichtig wird sein, den Schatz „Kirche Hungerburg" zu bewahren, den wir haben.
Liberatus: Ich werde in meiner täglichen Messe beten und die Gebetsanliegen aller in den Pfarren aufnehmen. Das verspreche ich!

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