Schätze sind da, aber es fehlt der Schlüssel zur Tür...

Interview mit Nikolas Mähner, Julian Rangger und Michael Sparber.

Wir sind heute im Jugendkeller der Pfarre St. Nikolaus. Ich treffe mich mit Nikolas Mähner, Julian Rangger und Michael Sparber.
Sie gehören der rund achtköpfigen Jugendgruppe an, die sich im Herbst 2019 gebildet hat und sich seitdem – wie´s Corona erlaubt – regelmäßig trifft. Sie sind Schüler und besuchen die Oberstufe, einige kommen aus St. Nikolaus und nicht wenige aus anderen Pfarren Innsbrucks.

Wir leben in einer nicht einfachen Zeit. Euer (Schul-)Alltag wird wesentlich von Corona beeinflusst. Wie geht es euch dabei?

Nikolas: Also im Frühjahr war´s ja so, da kam die erste Nachricht, bis Ostern bleiben alle zuhause. Aber dann blieb nach Ostern die Schule weiter geschlossen ... - da hast du erst so richtig realisiert, dass der ständige Unterricht zuhause ganz anders ist als in der Schule. Jetzt in dieser zweiten Welle sind wir durch die Erfahrung im Frühjahr vorbereitet - oder auch nicht - aber man weiß schon ungefähr, wie's läuft.

Was heißt: Zuhause ist es „ganz anders" als in der Schule?

Nikolas: Anders ist es, weil wir nach einem Wochenplan lernen. Den hast du vor dir, du setzt dich hin und musst die Motivation finden, alles dir selbst zu erarbeiten. Ganz groß gepriesen werden die Zoom-Stunden und Videocalls. Sie wirken auch echt mehr wie Schule. Sie sind mehr, als nur Wochenpläne zu erfüllen und die Ergebnisse an Lehrer zu schicken.

Wie viel Qualität steckt eures Erachtens im Homeschooling?

Julian: Dahoam hock´n, sich des selber einiprügel ´n und beibringen, weil die Lehrer des jetzt von dir erwart´n und dir dazua a´ PDF hochstellen - des magsch´ a´ nit wirklich. Und bringt des a wirklich ´was? - Wir sind monatelang im Frühjahr dahuam g´sessen und haben Hausübungen abg´schrieb´n und dann war´ ma wieder in da´ Schual und haben des irgendwie no´ ins voll einipresst, dass da a´n 3er aufsagsch und a feine Noten kriegsch. Also letztes Semester hat des Homeschooling nit wirklich funktioniert - kein Vergleich zum normalen Präsenzunterricht!

Was macht Corona mit eurem Level gut drauf zu sein?

Michael: Also für mi hat sich da nit viel verändert! Nur die Möglichkeit hat hald g´fehlt, einfach mal zu sagen, „Ja, fahr´ ma in die Stadt!" - des war ziemlich schwierig. Des war weg und des In-die-Stadt-Fahren und dort ´was trinken, des gibt mir immer ´an Aufschwung. Aber meine Psyche hat des jetzt nit beeinträchtigt. Irgendwie is mia´s nach dem erst´n Lockdown besser ´gangen, um ehrlich zu sein, weil i´ eben so mei Umfeld k´abt und dann g´nau g'wusst hab´, auf den Mensch´ kann i´ zähl´n. Man hat den engsten Kreis irgendwie so spüren gelernt.

Ihr seid drei Jugendliche, die repräsentativ stehen für eine Gruppe von Jugendlichen, die den Jugendraum im Pfarrheim St. Nikolaus seit letztem Jahr nutzen und einige von euch auch die Ferienspieltage der Pfarre
organisieren. Was bedeutet für euch, einer Pfarre anzugehören?

Nikolas: Pfarre bedeutet für mich ganz stark, Gemeinschaft zu teilen oder überhaupt Gemeinschaft zu erfahren - das Glück, einen Raum zu haben, wo wir gemeinsam Zeit verbringen können. Das ist nicht selbstverständlich.
Auch über die Freiheit, den Raum für uns herzurichten, sind wir sehr froh! Und ich sprech´ da nicht für mich allein, sondern für viele meiner Freunde, die im Jugendkeller Zeit verbringen. Die Pfarre gibt uns damit sehr viel, und dafür bin ich unendlich dankbar. Wir spüren Zuwendung, und ohne die Pfarre würd's das nicht geben.

Welche Beziehung habt ihr zur Pfarre?

Julian: Der Michi und i kommen aus der Pfarre Arzl. Auch für mi´ is´ „Pfarre" in erster Linie „Gemeinschaft": Du triffst dich mit anderen, machst Jungschar-Stunden, spielsch´ mit den Kindern ... - des find' i´ echt supa´!

Michael: Mir kommen also alle aus einer der Pfarren in Innsbruck. Sicher hält der Glaube zusammen. Es ist einfach so, dass jemand da ist, der zuhört. Ja, es ist immer jemand da, ganz egal, ob in Mühlau, Saggen, Arzl oder hier in
St. Nikolaus. Du weißt, wir steh'n zusammen.

Nikolas: Wenn's Probleme gibt, ist das Pfarrheim für uns der Rückzugsort. Hier bekommen wir Rückendeckung und Halt. Die Freunde sind der wichtige Faktor. Ohne Freunde wären sicher viele nicht hier, und wir könnten
die Gemeinschaft untereinander nicht so erleben und schätzen. Für einige spielt die Pfarre dabei eine wichtige Rolle.

Was glaubt ihr, was die Pfarre St. Nikolaus braucht?

Nikolas: Ich glaub', es gibt sehr viele Leute in St. Nikolaus, die diese Verbindung zur Pfarre nicht haben, wie wir sie schätzen. Sie wünschen sich Gemeinschaft, aber es fehlt ihnen der Bezug.

Michael: In Arzl is´ damals Philipp gekommen - der „Messias" (lacht). Philipp ist dort Jugendleiter und hat alles neu aufgebaut. Er hat angefangen, Gruppenstunden zu organisieren und Leute zu motivieren.
Der Philipp ist der Held, er hat viel auf die Beine gestellt! Es ist echt schön, dass wir jemanden haben, der so motiviert ist.

Nikolas: Nicht in jeder Pfarre ist es so. Die Pfarrleitung muss den ersten Schritt machen, dass es für Jugendliche Räume und Möglichkeiten gibt, Gemeinschaft zu leben. Schade, wenn's so ´was nicht gibt. In manchen Pfarren fehlen einfach Menschen, die sagen, „ok, jetzt packen wir das an, wir bieten euch Jugendlichen Räume an". Ich glaube, es gibt sehr viele Räume, die einfach nicht genützt werden.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr erwünscht und gefragt seid in der Pfarre?

Nikolas: Wir sind in der Pfarre, und ich bin der Meinung, die Pfarre kann ohne uns Jugendliche nicht leben. Oder umgekehrt gesagt, sie kann es, aber dann gibt's bald keine Pfarre mehr. Deswegen glaub' ich, muss klar gemacht werden, Jugendliche sind erwünscht und es gibt Jugendarbeit. Jugendliche sollen eingebunden werden, sie sollen „Kirche" spüren, und Glaube, Gemeinschaft und Liebe teilen können. Wenn ich manchmal in die Kirche geh´ und Leute mich ansprechen, „Du bist ja der Niko..." oder ich treff' Kinder im Waltherpark, die meinen Namen rufen, „Hey, Niko, i´ bin von den Ferienspielen ..." – da hab´ ich das Gefühl, ich bin erwünscht, und das ist wunderbar! Doch schön wär´s, wenn es auch Leute gibt, die höher steh'n, die über 18 sind und ein Auge d´rauf haben und Verantwortung übernehmen, dass eine gute Jugendarbeit in der Pfarre läuft. Wir haben zwar die letzten Jahre von Erstkommunion bis Firmung und mit den Ferienspielen viel gehabt, danach war aber Ende. Ich glaub', es ist in vielen Pfarren so, dass da ´ne große Lücke herrscht. Die Verbindung zwischen Jugendlichen und Pfarre ist in  mancher Hinsicht sicher schon ganz durchbrochen.

Haben die Jugendlichen in St. Nikolaus den Wunsch, Liturgie zu erleben?

Nikolas: Wenn es wie in Arzl einen Philipp gibt, der für uns Jugendliche da ist, der aber auch zur Kirche geht, dann - glaub' ich - kommen bald auch Jugendliche in den Gottesdienst und die Kirche wird jugendlicher werden. Ich stell´ mir die Pfarre als Haus vor, in dem tolle und wunderbare Schätze sind. Glaube, Liebe, und Gemeinschaft sind hier möglich, aber die Tür ist leider verschlossen. Sie ist verschlossen, weil es keine Ansprechperson gibt. Also Schätze sind da, aber es fehlt der Schlüssel dazu ...- Menschen wie Philipp  öffnen Türen, die ohne sie verschlossen bleiben. Und in St. Nikolaus haben wir gerade das Glück, dass ich sozusagen den Schlüssel für die Hintertür hab' ...

Der Advent ist da. Im Advent erinnern wir uns an die Ankunft des menschgewordenen Gottes. Hat diese Menschwerdung Christi für euch eine Bedeutung?

Michael: Wow... Des is´ a´ richtig zache Frage. Der Advent isch a´ guate Methode, des greifbar zu machen. I´ glaub´, i´ sprech´ für viele, wenn i´ sag´, des Bild vom Kind in der Krippe hilft, mir a´ besseres Bild von Gott
zu machen.

Nikolas: Dadurch, dass Gott in Jesus Mensch wird und durch Jesus Gottes Lehren praktisch gezeigt werden, wird Jesus zum Vorbild, so dass es uns Menschen einfacher fällt, Gottes Lehren zu folgen.

Inkarnation heißt: „Gott wird Mensch". Ist dieser Gott in eurem Leben greifbar?

Nikolas: Ich spür' Gott am nähesten, wenn ich in Gemeinschaft bin, wenn ich die Liebe von anderen Menschen spür´ – zum Glück hier im Pfarrheim sehr oft: vom Lachen bis zum Jubeln, vom Schreien bis zum Weinen. Deswegen
ist das Pfarrheim ein ganz besonderer Ort für mich.

Julian: I´ seh´ des nit ganz so romantisch! - Wie soll man des beschreiben, des Gefühl, Gott zu spüren. Bei der Messe, wenn Hostienverteilung is´ und alle herausgehen ... - i´ würd' sagen, des is´ für mi´ da´ högschte Moment. Da sind alle zusammen mit da´ Hostie, und dann isst du des ... - ja, da spür´ i´ Gott! Und sonst beim Musizieren: I´ find´, des is´ einfach a´ ganz besonderes Gefühl, du hock´sch ans Klavier, dann spielsch´ du ´was, dann bisch du einfach so in einer anderen Welt - a bissl wenigstens ...!

Michael: In der Kirche geht bei uns da´ Pfarrer nach der Predigt immer zurück zum Altar, und dann dauert des meistens so a halbe Minute, da isch´ es in der Kirche ganz ruhig, niemand sagt ´was, jeder denkt über des G´sagte nach und dann is´ es einfach so, man spürt, dass etwas da isch´, eine andere Macht!

Mit dem Ersten Advent beginnt immer das neue Kirchenjahr. Wenn etwas Neues beginnt, stehen meist auch Hoffnungen, Ängste, Wünsche im Raum. - Was wünscht ihr euch?

Nikolas: I´ hätt' d´rauf Lust, dass wir einen 18-Jährigen oder einen Älteren in St. Nikolaus bekommen, der schaut, dass Jugendliche Lust haben, am Sonntag in die Kirche zu kommen - oder vielleicht, dass Gottesdienst hier unten im Jugendraum stattfindet - im kleinen Rahmen!

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